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Montag, 14.09.2009

Sich fühlen wie ein kleines Kind

ich komme nach Hause und hänge die braunfarbene Jacke an den Haken, sehe dabei D.s blauen Fahrradhelm, jedoch meinen grünen nicht. ich stürme auf, eile hektisch durch die Wohnung, in die Kammer, gucke überall nach dem Helm und fluche schon: Mist, der war teuer! und befürchte dollstens, der wäre jetzt weg.

puste ein paar Mal Luft ein und aus um mal runter zu kommen, wichtig das. schieb dann die Jacke nochmal zur Seite, die braune, die ich eben aufhing. Da ist er, der Helm-Schelm, jenau an dem Platz, an dem er zu sein hat - wie mein kleiner Haushitler ditt so befiehlt - an seinem Platz. Hinter und unter meiner braunen Jacke.

so vielleicht fühlt sich ein Kind, dessen Elternteil mal eben hinter der großformatigen Tageszeitung verschwindet. existiert dann nicht mehr, in dem Moment, die Mama oder der Papa und der Helm-Schelm.

Sonntag, 06.09.2009

Mister Squishy

Ich lese meine erste Kurzgeschichte von DFW, und ärgere mich darüber, dass ich für diesen – ollen Kram tatsächlich fast 9€ bezahlt habe. Was will der mir eigentlich sagen, mit seiner Geschichte, die aus romanisierten Statistikfetzen besteht, zusammenhanglos aneinandergewürfelt, auf den ersten 37 Seiten der ersten Story noch immer frei von einem Plot, so langsam nervt mich das. Ich drehe das Buch nocheinmal um; auf dem hinteren Klappentext wirbt Harald Schmidt damit, der Schreiber sei der Megageheimtipp der amerikanischen Literaturszene. Soso, Harald Schmidt. Auf den höre ich sonst ja auch nicht. Dann wird auch noch die FAZ als Rezensent falsch zitiert; da heißt es „DWF“ statt „DFW“, oder ist mir da eine Schlauheit entgangen, und ich verstehe den Gag nicht? Ob Harald Schmidt Bescheid weiß? Unendlichen Lesespaß zumindest stelle ich mir anders vor.

Neulich habe ich auch ein DFW-Buch verschenkt; ich entdecke den Autor ja gerade erst, und die Zeitungen schrieben so Nettes und Schlaues über ihn, dass ich ihn schon liebgewonnen hatte und verschenkenswürdig fand, diese meine Neuentdeckung, meine neue literarische Expedition. Die Beschenkte allerdings sagte zuallervorderst: „Das ist doch der, der sich umgebracht hat.“ Man, war das doof und peinlich für mich, dass sie gleich seinen auf 20jährige Depression anschließenden Selbsttod auf den Lippen hatte; will man ja nicht, dass ein Geschenk so gar nicht aufheitert. (Ich habe auch einen Badezusatz zu dem Buch verschenkt; manche Leute lesen ja in der Badewanne, etwas, was ich selbst aber wenig entspannend finde; immer habe ich Angst, das Buch würde gleich ins schaumige Wasser plumpsen und sei dann nass und niemand könne es mehr lesen und die bezahlten 9€ seien dann futsch. Die Beschenkte hat in ihrer neuen Wohnung aber nur eine Dusche. Auch das doof und peinlich für mich; nun hat sie ein Badezusatz-Lesegeschenk und denkt vielleicht unter der Dusche über etwas so Unerfreuliches wie das Entschwinden von DFW nach, statt in kuscheligem Badewasser liegend über irgendwas Sinnerfreuendes.)

Sonntag, 24.05.2009

Frau Rex

Es ist 2:56. Vor knapp 20 Minuten bin ich aus dem Bett getappst, habe mich in eine Hose, ich glaube, nicht meine, und eine Jacke (von mir) gesteckt, und bin runter gelaufen zu der Nachbarin, die so laut Radio hört, dass ich davon wachbleibe, und nachts aufstehe, mich in Kleidung stecke und zu der Nachbarin hinuntergehe, die mich vom Schlafen abhält.

Ich läute. Nochmal. Klopfe halb. Klopfe ganz. Nichts rührt sich. Das Licht geht wieder aus, ich nach oben. Entgegen der Trägheit, die mir eigen ist, wenn ich nachts mal nicht schlafen kann und trotzdem im Bett liegen bleibe, nicht zur Toilette gehe, mir kein Glas warme Milch bereite, fahre ich den Rechner hoch, warte, finde im Telephonbuch ihre Nummer. Läute.
Wieder nichts.

Dann setze ich mich hin, lese bei Wolkenfetzen die Neuigkeiten der letzten Tage, auch etwas über Kinderpornographie und Sperrlisten und drohende Zensur. Ich kann noch weniger schlafen.

Frau Rex von unter mir ist alt, vermutlich schwerhörig. Soviel weiß ich. Sie hört ja immer laut Radio. Inforadio, zumindest das. Die Worte schlängeln sich halbdeutlich hinauf in mein Ohr, kommen da jedoch nur verschwommen an; ich höre Bruchstückhaft Fussballergebnisse, und nachts auch das Kreischen des Kommentators, der – um diese Randradiozeit – Spielergebnisse bejubelt.
Ich stelle mir vor, wie sie alt und taub auf einem Sessel in ihrer Wohnung sitzt. Vermutlich schläft sie noch weniger als ich, wenn sie so alt ist, und nächtelang Radio hört. Ich bekomme, schlaflos wie ich diese Nacht bin, Angst vor dem Alter. Angst vor dem Alter die sich paart mit meiner seit Kindertagen mich begleitenden Angst vor dem Sterben, vor dem Tod. Eine Angst, für die ja Frau Rex nicht kann.
Vielleicht hätte ich weniger Kaffee trinken sollen. Die letzte Tasse heute Nachmittag war doch wirklich nicht nötig, geschmeckt hat sie auch nicht. Ich hadere noch immer; mittlerweile ist es gleich viertel 4.

Um 7 klingelt jetzt am Sonntag der Wecker, da geh ich dann arbeiten. Vielleicht ist Frau Rex unten umgefallen, und kann gar nicht mehr zur Tür oder zum Telephon, und auch das Radio nicht abstellen. Vielleicht will sie Hilfe.
Deswegen hadere ich nun, ob ich auf der Wache anrufe. Kann mir ja einreden, ich hätte sie gerettet.


Samstag, 07.02.2009

Selbstverletzung

Selbstverletzung, das ist: im Bad die Wanne voll laufen lassen, und parallel unachtsam irgendwas im Radio einschalten. Während die 250 Liter warme Brühe ins Becken plätschern, übertüncht das ja sämtliche Rundfunkgeräusche.

Nach solcher Unachtsamkeit dann ins warme Wasser gekuschelt irgendwann später den Hahn abdrehen - und erschrecken beim Jingle von - Antennte Brandenburg.

Dann schnell todesmutig aus dem Wasser sprinten, hoffen, der FI-Sicherheitsschalter möge funktionieren, und nassen Fußes schnell den Radiostecker ziehen, bevor Freddy Quinn noch weiter 'La Paloma' trällert.

(So ein Stromschlag ist ja eigentlich nix gegen traurige Schlager, aber ich habe irgendwie keine Bindung zu Matrosen, mögen die mir das mal verzeihen!)

Freitag, 23.01.2009

Betreff: Rechnungen und Karrieretexte

Es ist 2009, und bald kommt Frühling.

Stratz ich also los - kann man ja mal das ganze Gedöns, das einem so in den Briefkasten geworfen wird, hübsch löchern und wegheften. Oder den ganzen schon mal gelesenen Mist der letzten 12 Semester in Reih und Glied stellen, sieht ja dann auch adretter aus. Und hinterher kann der Frühlingsputz nicht meckern, man hätte auf ihn keine Rücksicht genommen und seine imaginierten Gefühle mit Füßen getreten.

Braucht man Hefter für, um Bürogedöns und Karrieretexte eindrucksvoll ins Regal nebeneinander stellen zu können.

Geh ich los, packe 4 dieser Dinger ein (erstmal; all das Mahngedöns und die 12 Semester - kommt ganz schön was zusammen).
Fragt Mann an Kasse mich: "Quittung?"
Ich vernein das mal, will ich nicht.
Fragt Mann an Kasse: "Is das für privat?"

Oh.

Ja, schon, irgendwie. Ist das jetzt doof?
Aufräumen man jetzt gleich weniger viel Spaß, wenn der Schnauzbartmann in Conny's Containerladen einem den Diskurs um heimische Ordnerbeschaffung so unschmackhaft macht.

Stratz mal nächstens lieber in'n Lidl, schnorre da Bananenkartons.

Mittwoch, 21.01.2009

twelve hours until nuclear apocalypse

...so, what's there to do? (twelve hours left, twelve hours left)

... it's a lovely fantasy, this fantasy of no time ...



[wir sollten alle ein bisschen mehr Zadie Smith lesen]

Dienstag, 23.12.2008

Azinus


Werden wir, sobald wir krank sind und Patient, unumgänglich zu Amateuren unseres eigenen Lebens, egal, wie viel Hier und Da wir über das Funktionieren und Punktieren und Palliatieren menschlich-organischer Vorgänge wir auf Wikipedia und in der neuen Ausgabe der ApothekenRundschau nachlesen?

Donnerstag, 18.12.2008

Freisein,haben

Ich habe den Vormittag über frei, schaue diverse Videos über YouTube und auf Arte an, prokrastiniere, aber ja nicht richtig, weil: Ich habe ja frei. Meine ToDo-Liste weist die ein oder andere ungetätigte Überweisung auf, Briefe, die geschrieben werden wollen, sich gedanklich aber noch in meinem Hirnstübchen eingekerkert finden, ein Zimmer, dem viel an militaristischer Ordnungsliebe fehlt – aber all dies muss mich ja nicht stören, ich habe ja - frei. Erst um 14 Uhr heisst's: Guten Tag, Kundenbetreuung, was kann ich für Sie tun?


(Es bleiben 56 Minuten bis das losgeht ...)

Donnerstag, 04.12.2008

Kalendergeschichten

Mir wird bewusst, dass das Wunderbare an einem Adventskalender ist, dass man die Zeit selbst in den Händen hält. Man muss sich nur ein bisschen selbst disziplinieren (was mir nicht schwer fällt; es geht ja meist doch nur um kleine Flugzeuge auf kleinen Schoki-Stückchen), und schon hat man am 3. Dezember noch immer die Gegenwart des 1. und 2. und des 3. Dezembertages um sich; da alle quasi ihr Türchen zeitgemäß aufmachen, bekommen die kleinen Ziffern auf den 99 Cent-Präsenten plötzlich Real-Leben eingehaucht; sie sind da und gelten, weil *die anderen* sie so befolgen. Ich selbst lache mir ins Fäustchen; ich habe an der Uhr gedreht und reise in der Zeit. Danke dir, Adventskalender!

Montag, 03.11.2008

Jetzt mal politisch ...

.... ...



(Hier stand ein YouTube-Link zu Obama bei EllenDeGeneres. Aber da die Google-Werbung nicht verschwinden wollte, sich vielmehr noch in jeden weiteren meiner Beiträge hinüberkopierte (vllt. bin ich ein Technik-Mädchen, aber ich habe da noch was anderes zu tun, als zu gucken, wie ich den Scheiß wieder ganz bekomme ...), hab' ich die Verlinkung wieder wech jenommen. So, Punkt und Basta!)

(Seltsam, die Werbung pleibt - war die schon immer da? Ist dem kleinen Punk nicht aufgefallen, Doofling!) Naja, dann kann Obama wieder kommen und der Punk guckt mal andernorts ...)

(Aber Ellen tanzt besser. Findet der kleinePunk.)

Sonntag, 19.10.2008

... tsunamiday



Die Erinnerung, so hieß es einst, kommt in Wellen.










Samstag, 18.10.2008

semesterbeginnferienende

So, nun frag ich mich einerseits, welche (Alters-)Angaben ich wohl bei meinem (uni-externen)Mailprovider getan haben muss, und andererseits, welchen Vertreter bildungsferner Sozialschicht (liebe Bauarbeiter unter meinen Lesern: bitte verzeiht!) die lieben GMXler da nach Studi-Klischees befragt haben. Achso, auch wüsste ich gern, wer (neben den Siemens-Werk-Studis) einen derart endgeil bezahlten N-e-b-e-n-Job hat, durch den man mit läpp'schen 7 Stündchen nebenher auskommt ...

Liebe Frau ***,

endlich: Abi in der Tasche, auf ins Studentenleben! Und das sieht bekanntlich so aus: Morgens erstmal ausschlafen, am frühen Nachmittag dann Frühstück im Café mit mindestens 4 Latte Macchiato, abends Kneipe und/oder Party, dann wieder gründlich ausschlafen. Klingt gut? Entspricht aber leider nicht ganz den Tatsachen. Laut einer Umfrage des Online-Netzwerks StudiVZ stehen Studenten im Schnitt schon um 7.38 Uhr auf. Kein Wunder: Mit einem wöchentlichen Lernpensum von 34 Stunden und zusätzlich ca. 7 Stunden für den Nebenjob wird "Studieren" zum 41-Stunden-Vollzeitjob. Aber keine Angst: Ab und zu mal ausschlafen ist schon drin.

Ihr GMX Team

Freitag, 17.10.2008

Heidi Haida

Man mag über den Verlust eines als charismatisch-gewerteten Popstars der Neo-Nazi-Realpolitik denken, was man mag; eine Sterbefeier jedoch so ... Da bin ich durchaus im Zweifel ...

Café, Samstag, 15 Uhr
"No more flowers for Haider"-Café. Zur Feier von Haiders Kuss mit dem Betonpfeiler servieren wir lecker Kaiser_innenschmarn und Apfelstrudel, dazu gibts kühle und warme Getränke, Kuchen und festliche Beschallung. Alles vegan. Eintritt frei.

Dienstag, 07.10.2008

5, 52 € gespart

Machen wir's wie Friedrich Schiller (nur schlauer, weil noch ein bisschen lebendig): verzichten wir auf's zahlen von GEZ-Gebühren, zumindest, was unsere Computer angeht, denn: Nicht jeder Computer kostet GEZ-Gebühr!

Mittwoch, 01.10.2008

Luftsprünge


Eben stellte sich bei mir ein allumfassend himmelhoch fröhliches Gefühl ein, welches mir ein Kribbeln in alle Kapilargefäße hinein verursachte, selbst die allerschönsten Hochpunkte meiner bisherigen Existenz weeeeeit ins dunkelste Schattenlicht rückte, und mich in den Zustand zauberhaftester Vernebelung hob:


Ich habe bei meiner Hausarbeit den Zeilenabstand auf 1,5-zeilig umgestellt.
Das sind schon beinah 2 Seiten! Jippieh!


Nachtrag mehrere Arbeits(freie) Tage später (07.10.08):
DAS GANZE VERSTEHT SICH OHNE DECKBLATT, INHALTSVERZEICHNIS UND LITERATURNACHWEISE. EIGENTLICH BIN ICH SCHON FAST FERTIG!


Dienstag, 16.09.2008

Lieben müssen.

Plötzlich müssen alle irgendwen lieben. Während die Wetter-Zeichen draußen dafür ja deutlich auf schlecht stehen, und uns bei jedem Geschäft, das wir verlassen, zynische Endsommerkälte entgegen klirrt, während uns noch mindestens Kürbiskönig und Heilii-ige Klaue vom nächsten Schwall frühblüherischer Endorphine trennen sollten, plakatiert uns derweil die schon lieb gewonnene vierte Macht im Hierland zu mit valentinshaften Botschaften: BILD liebt Berlin (wer tut das nicht?), Jesus und ViVa lieben mich (wer tut das nicht?), und alle sind immer grade dabei, schnelles amerikanisches Essen zu begehren, stets und ständig dabei Liebe zu machen mit Fritten und Burgern.

Ein wenig abseits dieser Duselei und mehr nüchtern betrachtet, sollte – durchaus – die Frage gestellt werden: Wie geht es dabei eigentlich Hamburg?
Nachdem BILD sich getrennt hat, von ... äh – Hamburg!, um in Berlin in den Axel-Springer-Hauptschoß zu fallen, (grundsätzlich eine weise Entscheidung, denke ich als Lokalpatriotin mir da, bin ja selber ooch dolle verschossen in die Stadt, aber da fremdelt das dicke B hier an der Spree ja nunmal schon mit den Regierungssitzern und – naja, eigentlich ja auch mit mir) – wie geht’s denn da der Verflossenen? Fühlt sich Hamburg jetzt als Provinz? (Wer – außer Berlin – tut das nicht?)


Donnerstag, 04.09.2008

- Lukas.

Lukas tippt. Tippt und hämmert die nächste Kette endloser Kundendaten in den Computer, während am anderen Ende, wenigstens im gleichen Land, wenn man das als einen Vorteil betrachten möchte, der eben noch Lesende seinen großen, wachsenden Unmut kundtut, ihn anschreit, blafft. Sich beschwert eben. Dabei nicht eigentlich sich, sondern ja eher – den am anderen Ende. Einmal, aber da sind vorher schon 7000 andere, schlechte Stimme in sein Ohr gedrungen, hört Lukas jemanden sagen: 'Bei ihnen, da sind alle richtig gut geschult. Das ist 1A mit Sternchen.' Da blickt der Leser über den Konservatismus hinweg, entscheidet sich gegen die linkslibertäre-anarcho SZ und die anhängige Kundenbetreu***, und Lukas weiß nicht, welchem Auge er Gehör schenken soll, dem lachenden, oder dem weinenden, und sicher regt das die Kritiker jetzt furchtbar auf; einem Auge nämlich, dem hört man nicht zu. Jetzt kommt hier erstmal ein Schluss; was Lukas da so tut ist eh eher minderspannend.

Zumindest ...

... hab' ich den neuen Rechner jetzt mit Lautsprechersystem versorgen können. Mein kleiner Geist hört prämiärisch 'Subway to Sally' und guckt dann gleich Lindenstraße. Noch Fragen?

Wo, zum Henker ...

... ist eigentlich der Garantiezettel für meine Digitalkamera?

Dienstag, 29.07.2008

Schämprinzessin

Ich geh mal Tampons kaufen; hin und wieder sind die ja sehr nützlich. An der Kasse bei Rossmann konspirativ nach einer dieser kleinen kostenlosen Tüten greifend - muss ja nicht jeder gleich sehen, dass man gebärfähig is - falle ich vom Regen in den Ozean, wirbt Rossmann dort in dunklem Lila nämlich für 'außergewöhlichen Schutz für Frauen mit sensibler Blase'. Boah. Nicht nur Frau, sondern ooch noch alt.

Mittwoch, 04.06.2008

Lokalblatt

Man kann ja nicht nur Springer lesen. Geht ja nicht.

Also bestelle ich die Süddeutsche, lese, freu mich auch; das alles ist schon spannend (wenn auch ein wenig fürchterlich grausam, der angezündete Mann in Südafrika).

Dann will ich fernsehen; mein Mitbewohner ist weg.
Ich schlage das mitgelieferte Fernsehprogramm auf, in Spalte 3 wirbt man für einen Wallander-Film. (Ein Krimi, es kann also NOCH schlimmer kommen als ein wütender Mob an Afrikas Südspitze).

Der Fernsehapparat läuft, vergeblich suche ich den Film; den Vorspann habe ich vermutlich schon verpasst. Nun, da werfe ich nochmal ein Auge ins Programm: Die Süddeutsche informiert in Spalte 3 darüber, was der bayerische Rundfunk so plant. Ahnt ja keiner. Empfängt ja keiner.
Mein Springer-Blättchen wirbt da ja sonst für RTL.

Samstag, 17.05.2008

Frühlingswetter


... Phantomverliebtsein, dass sich nicht kanalisieren lässt, und sich am ehesten noch mit einem Verknalltsein in die Existenz als solche fassen lassen ... tut.





Gott küsse den Erfinder von Beck's Grüner Limone.

Jochen Mariss


Was du sagst, offenbar,
und was du fühlst, mehr versteckt,
und was du andeutest, so sanft,
reflektiert, hör mich an,
gekerkerte Emotionen,
konditioniert in einem
Schnulzfilm mit
Hugh Grant.

Beziehungsweisen, derart,
konstruieren
Beziehungswaisen.

Das macht 2 Euro für die Wortspielkasse,
aber dennoch
(aber aber)
sage ich,
nich unglück -
lich:
ich beziehe mich
- auf mich.

Tittentypen

Sitze mit J. und D. in der Uni unter Kastanien, und versuche mich an einer Anekdote, die ich beginne mit 'Ich habe da so einen Typen im Seminar ...', woraufhin D. mir ins Wort fällt: 'Du hast da Titten im Seminar ...???!!!'

... Äh, ja. Ich habe freilich nur während der Lehrveranstaltungen Brüste. Habe wohl nur zu spät damit angefangen, meine Brüste ins Spiel zu bringen, sonst hätte ich mich eventuell noch in das Linguistik-Seminar hochschlafen können ...



(Ich möchte klar stellen, dass dieser Eintrag nur besteht, um die Quote der von Pornoseiten auf den kleinen BloggerPunk hinüberstöbernden Fangemeinde zu erhöhen. Das entspricht ja eher meinem Zeitvertreib, Pornographie und so. All die Mutmaßungen darüber, ich würde auch den heutigen Samstagabend lernend vor Texten von und mit und über deutschtümelnde Geschichte verbringen, sind Schmarrn!
Ich geh mal meinen BH ausziehen, bevor ich im Textbuch weiterblättere ...!) (Textbuch? Wer sagte Textbuch? Ich meinte freilich den Playboy ... )

Sonntag, 04.05.2008

Wozu?

Die schöne, schlaue, schönschlaue Dozentin in ihrer ganz eng anliegenden weissen Bluse, sagt, sie fühle sich unter Druck gesetzt, davon, dass ich es wage, einmal nachzuhaken, ob es nicht doch möglich sei, ihrer Linguistikklasse beizuwohnen. Aber sie habe doch schon 200 Studenten, das ginge nun wirklich nicht, dass sie noch eine Arbeit mehr kontrolliert.

Gut, ich gebe mich geschlagen; kein Schein für die Sprachwissenschaft in diesem Semester. Aber sie bietet den Kurs auch online an, und physisch sind höchstens 40 Leute im Raum, das ist fast nichts, das ist Luxus! Gebt uns ein Elite-Schildchen!

Ich versuche es also anders, und frage, meinerseits auch ein bisschen eingeschüchtert:
"Wenn Ihnen die Kontrolle meiner Abschlussklausur zu viel Mühe macht, darf ich dann zumindest rein aus Interesse am Kurs teilnehmen?"

Und die schönschlaue Dozentin: "Wie? Was haben Sie denn davon?" ...

Mittwoch, 02.04.2008

Beschenke Kamerafahrten!

Wer nun also, beim alltäglich gewordenen Filmkonsum, dem süßen Partner 'Kamerafahrt', freundlichem Freund und innigem Geliebten, den gewünschten Respekt nicht gezollt, ihn mit lobender Anerkennung nicht überhäuft, und ihm neuerdings auch nie mehr nicht die kleinen Aufmerksamkeiten - Blumen, Süßes - mit Heim gebracht hat, der möge auf Thomas Arslan's Berlinale(2007)-Film FERIEN rekurrieren, um hinterher geläutert und einsichtig der Kamerafahrt mindestens den Platz des einzigen Erben, besser noch mit andächtigem Mausoleum zukommen zu lassen: Fast völlig verzichtet Arslan auf sehgewohnheitsübliche Bewegungen der Kamera, und seine Darsteller tauchen niemals nicht in Nahaufnahme auf, wenn, dann sind ihre Gesichter so im Schatten, dass man auch hier nur mystische Phantasien statt ihrer tatsächlichen (?) Konturen wahrnimmt.
Im Verzicht auf Kamerabewegung ist Arslan konsequent, und zeigt uns, wenn die Laura aus dem Bildrahmen rennt, weil - ausserhalb der 19 Zoll - das Telephon schreit - dass das Medium Film nur eine Farce ist, das uns ständig vorgaukelt, wir wären mitten drin, und wüssten - schließlich folgt die Kamera den Protagonisten sonst fast überall hin - was so alles passiert.
Da schreibt DIE ZEIT im letzten Jahr, das Filmwerk sei ein Kammerspiel, mit Auf- und Abtritten. Doch dafür zeigen sich die 19 Zoll nicht groß genug, und so guckt man in die Welt, die in einem kastenförmigen Goldfischglas wohnt.
Und so fragt man auch, wer die denn sind, die Schauspielerrollen, wenn Arslan sie so - austauschbar, nebensächlich - immer nur von weit weg zeichnet. 19 Zoll - noch weiter weg als durch die billigsten Theaterkarten möglich ... Kein Kammerspiel, ein Kamera-Nicht-Spiel.

Sonntag, 30.03.2008

Soziologie; Auffrischungskurs

Ich lese den 'Communitas'-Aufsatz meines Mitbewohners auch über Jugendkulturen, und besuche in einem Marzahner Jugend-Club das lautgespielteste und rabiateste Punkkonzert ever, zumindest insoweit, als dass das 'Ever' lediglich meine eigene Musikgeschichte als Komparativ benutzt.
Entweder ist es die andere 'Communitas' als solche, dem kleinen Punk hier doch zu fern, oder das Attribut 'Jugend-Club', oder mein Alter, oder alles – ich fühle mich – auf der anderen Seite, deplaziert. Nach dem 2. Beck's Lemon (ich bestelle beim Barmädchen ein Beck's, sie geht überlegend los, nähert sich wieder dem Tresen, wo ich wartend Platz genommen habe, und sagt: „Wie haben auch Beck's Lemon.“ Soso, Mädchenbier. Ich hätte mir vorm Herkommen zumindest die Haare tuhupieren sollen, stattdessen bin ich in meinem Axel-Springer-Kleidchen da. Dem LimonadenBier zustimmend, warte ich darauf, dass mir das Barmädchen als nächstes den Weg zum Eltern-Warteraum weist, in dem ich Pilcher-Lesend auf das Ende des Konzerts warten möge, um dann mein betrunkenes Balg nach Hause zu holen.Tz). Unangenehmer Weise lässt dieses Ende endlos auf sich warten, 'Nordwand' spielen statt wie versprochen um 21 Uhr irgendwann um halb eins, sie sind als Headliner aufgemacht, liefern aber den wohl schmerzhaftesten Soundcheck nicht nur meiner Musikgeschichte. Nach 3 gegröhlten Musikwerken ('Immer bis ich reier'), die Instrumente noch immer zu laut, die Sänger, trotz Millieu-Üblichem Geschrei doch zu leise, stiefeln wir wieder los, nehmen uns in Lichtenberg in den Arm, woraufhin ich nach diesem Abschied für die nächste Woche mein Telephon ausschalte; es macht ja eh keinen Sinn.

Mittwoch, 26.03.2008

Auftragswerk, prekär

In rekreationsbedarfender österlicher Manier watscheln wir in Vierergruppe die Schorfheide entlang – schließlich muss man tätig sein, und Punkt.
Im zaghaften Versuch, sich fordernder Konvention und dem Zerren terminlicher Knechtung zu entsagen, alles ja unter der Vorhut, sich nicht auch noch selbst zu disziplinieren, plane ich ein ordentliches Zuspätkommen ein. 10.31 statt 10.29. Das ganze ist ja eine Wanderung, keine Not-OP.
Das aber sieht der Nach-Schorfheide-Zug der deutschen Bahn, der sich ängstlich auf dem S-Bahngleis tummelt und vor der ranrauschenden Stadtbahn türmt, anders – um wohl einer Not-OP zu entgehen, fährt er lieber schon mal los. Um 10.29 nämlich. Und M. und ich kommen dann eben 2 Minuten später, nun, knechtende Zungen behaupten: Zu-hu-hu spät. Mit der Stadtbahn nämlich, die der kleinen deutschen Bahn so fürchterliche Angst einjagt.
Naaaajaaaaa, man kann ja auch anders in die Schorfheide kommen. Man steigt nur 8 mal mehr von einem kleinen Kleckerzug in einen anderen, das ist schlimmer als wie Stadtbahnfahren. Aber dann sind wir auch da. Und dann wandern wir halt und wandern und …

Eigentlich ist die Strecke ja schon eher öde. Es wirkt beinah, als sei uns der Pfad, den wir entlang schlottern, vor die Körper gebunden, und als müssten wir seine schwere Last, die uns merklich Kräfte raubend die schmalen Schultern nach unten zieht, vor uns her balancieren.

Der Weg klappt sich ächzend und tonlos vor uns aus, und wir schieben die Kilometer achtlos und schweigend vor uns her.
Ich gehe neben Herrn L., wie immer bis zur palatalen Lähmung beeindruckt von dem, was er so weiß. Satzweise sprechen wir über Existenzielles, während Tpunkt vor uns den Marschton diktiert, und gut und heiter aufgesagte Phonetikbrocken (unsererseits), mal melodiert, mal gereimt, mit gelbem Zuckerwerk konditioniert. Unser eloquentes Zur-Schau-Stellen unseres kulturellen Kapitals kulminiert im Tagesreim – die ‚Question of the Day – which way?’ – ein Hochpunkt, aber auch: Zeichen schrecklicher Verirrtheit: Zur Hölle, wo geht’s denn nun wieder lang? Nochmal runter zum See, wo der Wind garstig um unsere Gesichter atmet?
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Klirrend vor Kälte, gemagert, ohne Schokolade, müde, und doch stolz ob dem, was wir vollbracht, erreichten wir mit Einbruch der Dunkelheit das Groß-Schönebecker-Ortseingangsschild. Höhnisch wie 6 Euro fünfzig, unter Tarif, liegt der Ort inmitten brandenburgischer Einöde vor uns da, das erwartbare Ergebnis eines selbst noch produktiven bonusalen Freizeitvergnügens.



Sonntag, 23.03.2008

Hörzu in Shortcuts, nur ausnahmsweise

Es gibt was zu tun.

1910 Megacities: Hongkong
2015 Cindy Sherman. Poträt der medienscheuen Fotokünstlerin
2235 Napoleon und die Deutschen (Tl. Eins und Zwei)
2245 Macbeth

Es gehört schon Standhaftigkeit dazu, an Ostern niemals BenHur zu sehen. (Mama hätte das getan.)


Auferstehungszeit





Samstag.
Eben wundere ich mich über mich selbst. Den ganzen Tag schon tue ich Dinge, die mir selbst seltsam erscheinen. Ich telephoniere, 4 Stunden am Morgen, und meine Gegenüber sind diesmal gar nur halbwegs mürrisch.
Ich fahre einkaufen, und bringe Zitronengras mit, später werde ich, weil ich mich in Polen erkältet habe, eine Hühnersuppe kochen, nach einem thailändischen Rezept. Noch während ich koche, wasche ich die eben benutzten Koch-Utensilien auch gleich wieder ab, und das wundert mich schon stark. Schade nur, dass ich zu erkältet bin, um mein Können nachher genussvoll beurteilen zu können, und Mitbewohner sind auch keine da, die mal eben probieren. Dann lese ich den Beginn einer Geschichte von irgendsoeinem irischen Autor, auf den ich im Internet gestoßen bin; er will ein Haus verkaufen, zumindest vermittelt mir sein lyrisches Ich diesen Eindruck. Mein Mitbewohner ist nun da, samt seiner Mutter; sie streiten. Ich schaue mir Musikvideos von The Pierces bei Youtube an und bin entzückt, danach streiche ich endlich die Wand im Flur; ich komme mir ganz häuslich vor, bei all den häuslichen Dinge, die ich tue. Naja, die Wand ist ja jetzt pink.
Jetzt ist es nach 8, und um zu studieren schaue ich einen der zahllosen Kenneth-Branagh-Shakespeare-Filme; langweiliger Stoff, von dem ich immer nur behaupte, ihn durchzuarbeiten und dass ich ihn würde leiden können.




Sonntag.
Es ist Ostern.
A. und ich spielen das Versteckspiel der blauen Seiten, eigentlich zu peinlich und armseeeelig, als dass es gepostet werden sollte, aber am Schluss freue ich mich doch, als alle Eier gefangen sind. In einem schrecklich blinkig-blauen Querquadratfenster erscheint die Meldung: „Mutti gratuliert: Du hast jetzt alle Ostereier gefunden!“ Welch Substitution.
Es ist gleich halb 5 Uhr nachmittags, ich stochere in meinem verspäteten Haferflockenmüsli und überlege, mich samt meiner Erkältungsbeschwerden fernsehend schlafen zu legen. So viel ist ja vom Tag auch nicht zu erwarten, höchstens die irische Geschichte, die ich zu Ende bringen will. Wer wohl in das Haus einzieht?